
Vierzig- und Fünfzigjährige füllen die Tanzflächen — und Clubkultur hört auf, Jugendkultur zu sein
Während Veranstalter der Gen Z hinterherjagen, wächst am anderen Pol eine weit größere Welle. Der durchschnittliche Pole ist heute 44, doch die Branche spricht, als säßen im Saal lauter 24-Jährige.
Die Clubszene, die seit ihren Anfängen den Jugendkult auf ein Podest hebt, wird schon bald Menschen „in den besten Jahren“ gehören. Während der Großteil der Veranstalter um die Anwesenheit der Gen Z kämpft, wächst am anderen Pol ein Phänomen von weit größerem Ausmaß.
Darüber schrieb das Medium Muno.
Das Argument ist schlicht und demografisch: Nach Daten des polnischen Statistikamts liegt das Durchschnittsalter in Polen heute bei 44 Jahren. Die Clubbranche aber, von Clubs bis Festivals, baut Angebot und Kommunikation, als wären lauter 24-Jährige im Raum — die dort nicht sind, und schon gar nicht annähernd so zahlreich wie die heutigen Vierzig- und Fünfzigjährigen, die sich das Ausgehen schlicht leisten können.
Die europäische Clubkultur blühte in der Breite nach dem Fall der Berliner Mauer auf. Die damaligen Zwanzig- und Dreißigjährigen, die die dominierende Gruppe auf den Flächen waren, gehen jetzt auf die Fünfzig zu oder haben sie hinter sich. Viele von ihnen tauchten in den folgenden Jahrzehnten immer seltener in Clubs auf, als Arbeit, Familie, Kinder und andere Pflichten Vorrang bekamen.
Heute haben sie erwachsene Kinder und eine stabile berufliche wie finanzielle Lage. Und die heutigen Fünfzigjährigen sind in Aussehen und Verhalten den Dreißigjährigen der Neunziger näher — was, so der Text, das Bild vom Clubbesucher selbst verändert, was ein Teil der Branche offenbar nicht sieht oder nicht sehen will.
Es gibt noch ein Argument: Gerade die Generationen X und Y waren am stärksten von der Clubkultur eingenommen, als etwas Neuem und auf seine Art Exotischem vor dem Grau des postsozialistischen Polens. Sie haben diese Kultur an der Weichsel geformt — aus ihnen kamen die ersten DJs, Journalisten, Booker, Veranstalter, Clubbesitzer und Festivalmacher.
Und der verinnerlichte Ageismus — die Frage „steht ihm oder ihr das noch?“ und, selbstkritischer, „steht mir das noch?“ — verschwindet. An der dominierenden Präsenz der Vierzig- und Fünfzigjährigen auf den Tanzflächen ist nichts Überraschendes und nichts Schlechtes: Es ist der natürliche Lauf der Dinge.









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