
Acht Kapitel eines Lebens und eines Todes: Pet Shop Boys veröffentlichen ein Album über Alan Turing – das letzte Wort darin haben nicht sie
Das Werk entstand schon 2012, jetzt haben es die beiden neu geschrieben: für acht Streicher und deutlich härtere Elektronik. Release ist der 9. Oktober.
Pet Shop Boys: Chris Lowe (links) und Neil Tennant
Pet Shop Boys haben ein neues Album angekündigt: A man from the future, ein achtteiliges Werk über Alan Turing, den britischen Mathematiker und Kryptoanalytiker, der die Grundlagen der modernen Computertechnik legte. Die Platte erscheint am 9. Oktober bei Parlophone Records.
Bekannt gegeben haben es die Pet Shop Boys selbst auf ihrer offiziellen Website.
Es ist keine Songsammlung über eine historische Figur, sondern ein durchgehendes, achtteiliges Werk – geschrieben zusammen mit dem Mann, der mehr über Turing weiß als sonst jemand. Co-Autor ist Professor Andrew Hodges, Verfasser der Biografie Alan Turing: The Enigma, jener Vorlage, aus der seinerzeit der Film The Imitation Game wurde.
Zwölf Jahre zwischen Uraufführung und Veröffentlichung
Die Geschichte dieses Werks ist länger, als die Ankündigung vermuten lässt. Neil Tennant, Chris Lowe und Hodges schrieben es 2012 bis 2013, zu hören war es zum ersten Mal im Juli 2014 – bei einem nächtlichen Konzert der BBC Proms in der Londoner Royal Albert Hall, mit dem BBC Concert Orchestra und den BBC Singers.
Seither hat das Duo daran weitergeschrieben. Die Elektronik ist deutlich präsenter geworden, und den großen Orchesterapparat hat Sven Helbig auf Kammerformat eingedampft: acht Streicher. Hodges wiederum hat den Text überarbeitet, der zwischen den Teilen gelesen wird.
„Wir haben dieses Werk begonnen, um Alan Turing ein musikalisches Denkmal zu setzen – einem Mann, der seinem Land und der Welt so viel gegeben hat und dafür wegen seiner Sexualität verfolgt wurde. Alan hat einen enormen Beitrag zur Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg geleistet und war ein Pionier der Computertechnik: Er stellte sich eine Welt mit intelligenten Computern vor. Und er hoffte auf eine Zeit, in der es als normal gelten würde, schwul zu sein. Beruflich wie privat war er seiner Zeit voraus“, erklärten die Pet Shop Boys.
Die acht Teile folgen Turings Leben der Reihe nach: Schulzeit und frühe Faszination für Mathematik, das Bewusstwerden der eigenen Homosexualität, Cambridge, das Knacken der deutschen Enigma im Krieg, die Entwicklung der modernen Rechentechnik, die Vorwegnahme künstlicher Intelligenz, der Prozess wegen homosexueller Handlungen – und der Tod im Jahr 1954.
Im Finale aber ist nicht das Duo zu hören. In den letzten Track ist ein Ausschnitt einer Aufnahme von Gordon Brown montiert: jene Erklärung, die der damalige britische Premierminister 2009 abgab. Er würdigte Turings Anteil am Sieg im Krieg und entschuldigte sich dafür, wie man nach dem Urteil nach homophoben Gesetzen mit ihm umgegangen war. Danach folgt der Hinweis auf die postume königliche Begnadigung, die Elisabeth II. Turing 2013 gewährte.
Wer spielt und wer liest
Die Streicherstimmen übernimmt das Manchester Camerata Octet, den Text aus Hodges’ Buch liest die Schauspielerin Juliet Stevenson – dieselbe, die ihn schon bei der Uraufführung 2014 gelesen hat. Auf vier der acht Tracks singt der Knabenchor der Manchester Grammar School. Aufgenommen wurde die Platte im vergangenen Jahr in Großbritannien und Deutschland, produziert haben sie die Pet Shop Boys gemeinsam mit Helbig.
Sven Helbig ist in dieser Geschichte kein Zufallsgast: Der deutsche Komponist und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker schrieb für das Duo schon die Orchestrierungen zu Battleship Potemkin und The Most Incredible Thing.
Einen Tag vor dem Release, am Donnerstag, dem 8. Oktober, lädt das Duo zu einem gemeinsamen Hördurchlauf des Albums ins Imperial War Museum North in Manchester – samt Gespräch über das Werk mit den Pet Shop Boys selbst und Hodges.
Zuvor haben wir berichtet, wie Neil Tennant für einen Kino-Doppelabend in seine Heimatstadt Newcastle zurückkehrte.









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