
Diesmal singt sie nicht, sondern entscheidet: Jerry Heil sitzt in der Jury des ANCHOR Award – eine Ukrainerin ist nominiert
Vier Jurymitglieder, sechs Nominierte und ein Abend in Hamburg. Der Sieger wird nicht nach Releases gekürt, sondern danach, wie er beim Festival selbst spielt.
Jerry Heil bei der Eurovision-Pre-Party in Madrid, März 2024
Jerry Heil ist in die Jury des ANCHOR Award berufen worden – des Preises, der jedes Jahr beim Hamburger Reeperbahn Festival vergeben wird. Gemeinsam mit ihr entscheiden die Italienerin Domiziana, die Französin Oklou und der britische Produzent Sega Bodega.
Die Zusammensetzung der Jury hat das Festival selbst auf seiner Website bekannt gegeben.
Der ANCHOR ist die wichtigste Auszeichnung des Reeperbahn Festivals: Er geht an einen neuen Namen aus dem Line-up, den die Jury in diesem Jahr für den wichtigsten hält. Gegründet wurde der Preis 2016, im vergangenen Jahr feierte er sein zehnjähriges Bestehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Briten Yard Act, die Japanerin Ichiko Aoba und die US-Amerikanerin Mei Semones.
Bewertet wird nicht das Release, sondern der Auftritt
Das Verfahren ist ungewöhnlich. Die Shortlist stellt ein eigenes Gremium aus der Branche zusammen – in diesem Jahr sind das Cahleb Derry von YouTube, Justin Sweeting vom Hongkonger Clockenflap, Laura Minutolo von Universal und Daisy Carter vom britischen DIY.
Den Sieger dagegen wählt die Jury erst vor Ort – danach, wie die Nominierten beim Festival selbst auftreten. Die vier Tage in Hamburg sind für sie deshalb keine Zeremonie, sondern ein einziges Vorspielen, und Jerry Heil sitzt im Publikum als diejenige, die bewertet.
„Den Sieger bestimmt eine eigens berufene Jury – auf Grundlage der Auftritte, die die Nominierten beim Festival selbst spielen“, heißt es in der Beschreibung des Preises.
Auf der Shortlist stehen sechs Acts: die britische Soul-Pop-Sängerin Nectar Woode, die Australierin BIG WETT, das französische Italo-Disco-Projekt Dov'è Liana, die Ukrainerin GANNA, das Londoner Duo Just For Fun und das Berliner Jazz-Ensemble Sonic Interventions.
GANNA ist dabei eine eigene Zeile wert: Das Festival beschreibt sie als ukrainische Künstlerin, die zwischen den Genres arbeitet. Beim diesjährigen ANCHOR steht ein ukrainischer Name damit auf beiden Seiten – unter denen, über die geurteilt wird, und unter denen, die urteilen.
Warum das mehr ist als eine Zeile im Lebenslauf
Für einen neuen Act bedeutet eine ANCHOR-Nominierung eine andere Größenordnung an Aufmerksamkeit: In den Listen der vergangenen Jahre stehen Celeste, Parcels, Moonchild Sanelly und Lime Garden – Namen, die später weit über Hamburg hinaus bekannt wurden.
Wichtiger ist aber etwas anderes. Es ist eine Sache, ukrainische Musik einzuladen, damit sie spielt – und eine ganz andere, eine ukrainische Künstlerin einzuladen, damit sie mitentscheidet, welcher europäische Newcomer der Name des Jahres wird. Das ist keine Gastrolle mehr.
Das Festival selbst versammelt in diesem Jahr über hundert internationale Acts und läuft vom 16. bis 19. September. Die ANCHOR-Zeremonie findet am Freitag statt, dem letzten Tag.
Zuvor haben wir berichtet, wie Jerry Heil Dark Disco veröffentlicht hat – einen Track, den zwei Monate lang nur diejenigen kannten, die im Kyjiwer Sportpalast dabei waren.









Kommentare
Wird geladen …