Kieran Hebden, alias Four Tet, am Pult auf einer nächtlichen Bühne
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Vor neun Monaten stellte er genau zwei Minuten jenes Abends online: jetzt gibt Four Tet die vollen viereinhalb Stunden frei

Es ist das längste Video in der gesamten Geschichte seines Kanals. Die Setlist zählt siebenundfünfzig Positionen – und neun davon gibt es nirgendwo außer an diesem einen Abend.

Foto: Menschenmaterial / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, Bild beschnitten

Kieran Hebden beim Roskilde Festival: Die Aufnahme entstand um null Uhr neun, am Ende eines nächtlichen Sets

Four Tet hat den Mitschnitt seines Konzerts im Londoner Alexandra Palace vom 22. November 2025 veröffentlicht. Vollständig, ohne Schnitt und ohne Ticket: vier Stunden, vierundzwanzig Minuten, zweiundzwanzig Sekunden.

Das Video erschien Ende August auf dem eigenen Kanal des Musikers.

Witzig ist daran etwas anderes. Bereits im vergangenen Dezember erschien auf demselben Kanal ein Clip mit dem Titel „aber es sind nur zwei Minuten“ – genau zwei Minuten von eben diesem Abend. Neun Monate lang blieb der Scherz ohne Fortsetzung, erst die Veröffentlichung im August hat ihn eingelöst.

Was genau veröffentlicht wurde
KonzertAlexandra Palace, London, 22. November 2025
Dauer4 Stunden 24 Minuten 22 Sekunden
Was das für den Kanal bedeutetdas längste Video seiner gesamten Geschichte; bisheriger Rekord – Finsbury Park, 3:48:47
Streaming-Fassung57 Positionen, 4 Stunden 25 Minuten, in der Rubrik Dance
Wie viele davon namenlos sindneun – schlicht als ID1…ID9 ausgewiesen

Neun Tracks, die es nirgendwo sonst gibt

Parallel zum Video erschien das Set auch als eigene Veröffentlichung für die Streamingdienste – „Four Tet at Alexandra Palace, London, Nov 22, 2025“. Dort stehen siebenundfünfzig Positionen, und neun davon haben weder Titel noch Urheber: In der Liste laufen sie als ID1, ID2 und so weiter bis zur neunten. Es handelt sich also um unveröffentlichte Stücke, die außerhalb dieses Abends nicht existieren.

Die übrigen achtundvierzig zeigen, wie weit er ausgreift. In einem einzigen Set stehen Ricardo Villalobos und PinkPantheress, Burial und Ellie Goulding, Eric Prydz und Floating Points, Jai Paul und CHVRCHES, Skrillex, Dubfire mit Oliver Huntemann, Martyn, Mala, der Drum-and-Bass-Klassiker von M-Beat und General Levy – und Hebdens eigenes Tech-House-Pseudonym KH.

Gefilmt wurde das nicht mit dem Handy. Im Abspann unter dem Video stehen zwölf Namen, und die Hälfte davon bildet einen eigenen Dokumentarfilm-Block: Regisseurin Joanna Nordahl, Kameramann Ruben Neviazsky, zweite Kamera, Schnitt, Colorist, Postproduzentin. Für das Licht war Ed Warren zuständig, für den Ton Parker, für die Inszenierung Matt Barker.

Ein kostenloses komplettes Set ist für diesen Kanal an sich nichts Neues: Dort liegen seit Jahren Finsbury Park 2024 mit drei Stunden neunundvierzig Minuten, Lost Village, EDC Las Vegas, Lollapalooza und sogar ein zweistündiger Mix aus Vinyl-Testpressungen. Neu ist genau die Länge: Kein anderer Mitschnitt auf dem Kanal reicht an vier Stunden heran.

Das Set in Zahlen
4:24:22
Dauer
das längste Video auf dem Kanal von Four Tet
57
Positionen in der Setlist
so viele Tracks umfasst die Streaming-Fassung
9
namenlos
ID1–ID9: unveröffentlichte Musik ohne Titel und Urheber
12
Namen im Abspann
samt eigenem Kamerateam

Das Jahr, in dem er sein eigenes Archiv öffnete

Dieser Mitschnitt ist keine einzelne Geste, sondern Teil dessen, was Kieran Hebden das ganze Jahr 2026 über macht. In den vergangenen Monaten hat er seine komplette Albumdiskografie als vollständige Videos auf den Kanal gestellt: Pink, Dialogue, Beautiful Rewind, Morning / Evening, New Energy, Sixteen Oceans, Parallel, Three und There Is Love in You.

Im Sommer kam auch neues Material heraus – ein Album, dessen Titel sich nicht lesen lässt: Er ist in Glyphen der Schrift Wingdings gesetzt. Acht Tracks, rund siebenunddreißig Minuten, im Juni eine Vinylauflage von zweitausend Exemplaren, die schnell vergriffen war, und im Juli die digitale Fassung – alles über das eigene Label Text Records.

Einen Kommentar von Hebden selbst gibt es nicht: keinen erklärenden Post, kein Zitat in der Presse. In der Videobeschreibung steht nur der Abspann – und viereinhalb Stunden, die für sich sprechen.

Zuvor haben wir berichtet, wie James Murphy und Soulwax sechs Stunden lang auf einer selbst gebauten Anlage spielten – ein anderer Fall, in dem die Länge des Sets selbst die Aussage ist.

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