
Coming-out, eine abgebrochene Hochzeitsreise und ein Lied für zwei Freundinnen: das neue Release von Hercules & Love Affair
Andy Butler verteilt auf acht Tracks das, worüber er über zwanzig Jahre lang nur in Andeutungen sang. Und die Pressemitteilung, die durch die Medien ging, hat die Datumsangaben durcheinandergebracht — wir korrigieren sie.
Andy Butler ist Gründer und einziges festes Mitglied von Hercules & Love Affair. Open Source Festival, Düsseldorf, 12. Juli 2014
Hercules & Love Affair stellen Danseur fertig — ein Release, das sich nicht aus Clubstimmungen zusammensetzt, sondern aus queeren Geschichten. Die erste Hälfte erschien im Juli, die zweite mit vier Tracks kommt am 10. September. Laut Label ist es eine Hommage an genau die Geschichten, auf denen das Projekt von Anfang an beruht.
Das Video zu My Journey, mit dem das Release beginnt, veröffentlichte das Label Stratasonic Records auf dem eigenen Kanal.
Jeder Track ist eine eigene Geschichte. My Journey handelt vom Coming-out. The Eyes of Love erzählt von zwei Männern, die einander gefunden haben und deren Hochzeitsreise der Schatten von HIV unterbrach; Butler sagt, die Geschichte stamme aus seinem eigenen Leben. I Get High handelt von den Partnerinnen und Partnern transgeschlechtlicher und nichtbinärer Menschen.
Ein Lied, das für zwei geschrieben wurde
Den zweiten Teil eröffnet Pirouette — der Song erschien Ende August als eigene Single. In den Materialien des Labels heißt es, das Lied sei zwei Frauen gewidmet: SOPHIE, einer langjährigen Freundin von Faris Badwan, und Aérea Negrot, die auf zwei Alben von Hercules & Love Affair selbst gesungen hat — Blue Songs und The Feast of the Broken Heart.
Ebendort steht, beide seien „im Abstand von wenigen Monaten“ gestorben. Das stimmt nicht, und der Fehler ist bereits durch die Medien gegangen. SOPHIE starb am 30. Januar 2021 in Athen, Aérea Negrot am 11. Oktober 2023 in Berlin, im Alter von dreiundvierzig Jahren. Zwischen den beiden Daten liegen zwei Jahre und acht Monate.
„Dieser Song handelt von etwas, das ich für eine der letzten Grenzen der LGBT-Rechte halte“, sagte Andy Butler über I Get High und erklärte, es gehe um die Unterstützung der romantischen Partnerinnen und Partner transgeschlechtlicher und nichtbinärer Menschen.
Das Video zu My Journey drehte Miguel Rodriguez. Vor der Kamera stehen drei Darstellende — Stephen Smith, Kaleb "KABO" Jacobs und Leandra Atenea Levine Hidalgo —, und die Geschichte selbst ruht auf vier Zuständen: Akzeptanz, Verwandlung, Ungewissheit und Selbstfindung.
Das Projekt selbst hat Andy Butler 2004 ins Leben gerufen, und von Anfang an war es keine Band mit fester Besetzung, sondern ein Kollektiv, das sich von Release zu Release verändert. Das Debütalbum erschien 2008 bei DFA — mit Kim Ann Foxman am Gesang; genau dieses Album machte das Projekt bekannt.
Warum dieses Release anders ist
Früher sprach Butler über sich eher andeutungsweise als direkt und formulierte es selbst so: Er sei schwul, sein Aufwachsen sei von einem gewissen Kampf geprägt gewesen, und genau deshalb habe er etwas zu erzählen. Danseur ist das erste Mal, dass er daraus konkrete Geschichten macht und nicht bloß eine Stimmung.
Die Platte hat Butler nicht allein gemacht: Zwei weitere sind daran beteiligt — Elín Ey, die unter dem Namen Hips & Lips singt, und Quinn Whalley von Paranoid London. In derselben Besetzung entstand auch ihre vorherige gemeinsame Arbeit, und zusammengefunden haben sie laut Label über die Liebe zu Acid House, Disco und dunkleren Klängen.
Der zweite Teil von Danseur erscheint am 10. September: Neben Pirouette sind dort Heaven — ebenfalls mit Faris Badwan —, Night on the Town und Flip Flop zu hören.
Zuvor haben wir berichtet, wie das queere Festival WHOLE erstmals über Europa hinausgegangen ist und das Line-up seiner brasilianischen Ausgabe bekannt gegeben hat — die andere Seite derselben Szene.









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