
35 Jahre Unabhängigkeit: Wo die Ukraine diese Woche klingt — vom Dowschenko-Filmstudio bis Berlin
Sechs Bühnen in Kyjiw, eine Philharmonie im Hof eines Gefängnismuseums in Lwiw, ein ukrainischer Headliner in Warschau und die Premiere eines Dramas über 1991 in Berlin. Alles vom 22. bis 28. August in einem Überblick.
Am 24. August 2026 wird die Ukraine 35 Jahre unabhängig. Am Tag davor, dem 23. August, begeht das Land den Tag der Staatsflagge. Und zum ersten Mal seit Jahren sieht der Kalender dieser Woche nicht nach einer Reihe offizieller Zeremonien aus, sondern nach einem richtigen Programm — mit Festivals, Konzerten und Premieren in vier Städten auf zwei Kontinenten.
Wir haben alles in einen Guide gepackt: was stattfindet, wo genau, wann und zu welchem Preis. Drei der vier Veranstaltungen sind kostenlos oder günstig, und keine ist auf Pathos gebaut.
Ein Datum, eine Flagge und 99 Tage
Die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine verabschiedete die Werchowna Rada am 24. August 1991. Rechtskraft sollte sie durch eine Volksabstimmung erhalten — und erhielt sie am 1. Dezember desselben Jahres, als 90,32 % der Wählerinnen und Wähler bei einer Beteiligung von 84,18 % für die Unabhängigkeit stimmten.
Zwischen diesen beiden Daten liegen genau 99 Tage. Von ihnen erzählt das recherchierende Historiendrama „Die Entfernung zur Unabhängigkeit", das diese Woche in Berlin Premiere hat: Die Handlung hängt daran, wie die Entscheidungen jenes Herbstes tatsächlich fielen.
Der Tag der Staatsflagge, der dem Hauptdatum vorausgeht, wird offiziell seit 2004 begangen. In diesem Jahr fällt der 23. August auf einen Sonntag und der 24. auf einen Montag, das Land bekommt also faktisch ein langes Wochenende — und das Programm hat sich darauf eingestellt.
Kyjiw und Lwiw: zwei Arten zu feiern
In Kyjiw richtet Brave! Factory die siebte Ausgabe auf dem Gelände des Dowschenko-Filmstudios aus — mit einem Kunstprogramm, kuratiert von Olexij Saj, und einem abschließenden Brave! Factory Epilogue mit Acid Pauli und Viken Arman. Dass das Festival genau auf die Unabhängigkeitstage fällt, ist Absicht.
Lwiw hat das Gegenteil gewählt. Das Projekt „So klingt Unabhängigkeit" ist klassische Musik auf dem Platz vor einem früheren Gefängnis und Durchgangslager. Die Myroslaw-Skoryk-Nationalphilharmonie Lwiw und das Museum „Territorium des Terrors" haben ein Memorandum unterzeichnet, das Konzert am 23. August ist also keine einmalige Aktion, sondern der Auftakt eines langfristigen Projekts.
Im Ausland liegt die wichtigste ukrainische Bühne dieser Woche in Warschau. PULSE OF NATION fest versammelt am 22. August Artem Pywowarow, Jerry Heil, Chrystyna Solowij, DREVO und SadSvit unter einem Himmel; Tickets kosten 90 bis 449 Zloty.
Berlin hat das Feiern dagegen auf fünf Tage gestreckt. Die Ukrainian Week im Unity Hub Berlin läuft vom 24. bis 28. August: Ausstellung, Workshops, ein Abend des ukrainischen Lieds mit dem Chor „Lastiwotschky", die offene Diskussion „Nach dem Krieg: Wie wird die Ukraine der Zukunft aussehen?" — und die erwähnte Premiere über 1991. Die Teilnahme ist nach Anmeldung kostenlos.
„Wenn Unabhängigkeit die gemeinsame DNA eines Landes und eines Festivals ist, entsteht der natürliche Wunsch, diese Unabhängigkeit gemeinsam nicht nur mit mutiger Kunst zu stützen, sondern auch mit den Mitteln, die zu ihrer Verteidigung nötig sind", schrieben die Veranstalter von Brave! Factory und kündigten eine eigene Sammlung für Partnerbrigaden an.
Was nach dem 24. August bleibt
Allen vier Veranstaltungen ist gemeinsam, dass keine ein Erinnerungsabend ist. Lwiw hat ein Memorandum unterschrieben und plant die Fortsetzung. Berlin hat die Retrospektive durch eine Diskussion über die Zukunft des Landes ersetzt. Kyjiw hat den Dancefloor mit einer Sammlung für die Armee verbunden. Warschau hat die ukrainische Szene als eigenständiges Programm auf eine polnische Bühne gebracht, nicht als Gast im Programm anderer.
Für die Musikbranche wiegt das schwerer als das Datum selbst. Fünfunddreißig Jahre sind das Alter, in dem ein Land nicht mehr beweist, dass es existiert, sondern zeigt, wie es klingt. Diese Woche klingt es gleichzeitig auf sechs Bühnen eines Filmstudios, auf einem Platz in Lwiw, in einem Warschauer Park und in einem Berliner Saal in der Jägerstraße.
Wie berichtete zuvor das Portal ONE//FM, die ukrainische Szene kann Größe auch ohne Feiertag: Wyrij. Prostoneba versammelte auf dem WDNG siebzehntausend Menschen und feierte zwanzig Hochzeiten direkt auf dem Festival.









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