
Istanbul sagt Anymas Show ab. Den Grund nennt nur ein Telefonat
Zwölftausend Tickets, überwiegend in ausländischen Händen. Eine schriftliche Erklärung der Behörden gibt es bis heute nicht — nur die mündliche Auskunft eines einzigen Beamten.
Anyma
Die Show von Anyma in Istanbul, angesetzt auf den zwölften September, ist abgesagt. Entschieden hat das Gouverneursamt der Stadt — nicht die Halle und nicht der Veranstalter.
Über die Absage informierte der Veranstalter Only You Live auf seiner Seite.
Geplant war die audiovisuelle Soloshow ÆDEN in der Ataköy Marina Arena — Teil der Welttournee. Erwartet wurden rund zwölftausend Zuschauer, und die meisten Tickets gingen nicht an Türken, sondern an Leute, die für diesen Abend anreisen wollten.
Was zehn Tage vor dem Konzert geschah
Anfang September lief in den türkischen sozialen Netzwerken eine Kampagne an: Aus den Videovisuals der Show wurden einzelne Bilder herausgeschnitten, als „satanistische Rituale“ bezeichnet und mit der Forderung nach einem Verbot verbreitet. Wenige Tage später kamen die ersten Meldungen über eine Absage.
Dann wurde es endgültig seltsam. Eine offizielle Mitteilung des Gouverneursamts gab es weder auf der Website noch in den sozialen Netzwerken. Der Veranstalter schwieg, die Tickets waren weiter im Verkauf — und die Hotline versicherte per Bandansage, die Veranstaltung finde wie geplant statt.
Klarheit kam erst, als die türkische Faktencheck-Plattform Teyit den Leiter der Pressestelle des Gouverneursamts ans Telefon bekam. Er bestätigte die Absage und den Grund — „satanistische Elemente“ im Auftritt. Und er sagte eigens dazu, eine schriftliche Erklärung werde es nicht geben.
Was der Künstler antwortete
Matteo Milleri, der als Anyma auftritt, meldete sich einige Tage später. Die düsteren Passagen der Show seien aus dem Zusammenhang gerissen, verändert, mit anderer Musik unterlegt und ins Netz gestellt worden, um ein finsteres Narrativ zu bauen, das es in der Show gar nicht gibt.
„Wir werden die Entscheidung anfechten und weiter nach einem Weg zurück suchen — in die Türkei und zu den Türken“, schrieb der Künstler.
Zudem besteht er darauf, dass keines seiner Visuals von künstlicher Intelligenz erzeugt wurde — und merkt an, die Ironie liege darin, dass ausgerechnet seine Ankläger KI benutzten, um seine Arbeit auf ihre eigene Version der Ereignisse umzubauen.
Anyma ist die eine Hälfte von Tale Of Us und Gründer von Afterlife, einer der größten Marken im Melodic Techno. Die Absage kostete mehr als ein Konzert: Veranstalter beziffern den entgangenen Medien- und Tourismuswert in Millionen.
Zuvor haben wir beschrieben, wie das Londoner fabric für vier Jahre in eine aktive Kathedrale einzog — eine Geschichte darüber, wie sich Clubkultur mit Institutionen arrangiert.









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